Warum die Frage in Basel so oft auftaucht
Ein Fassadengerüst braucht mit Wandabstand meist 1 bis 1,5 m Platz vor der Fassade. Steht ein Haus direkt an der Grenze, liegt dieser Streifen beim Nachbarn.
Genau so ist Basel gebaut. Im Gundeli, im St. Johann und im Matthäus stehen Mehrfamilienhäuser in geschlossener Zeile um enge Hinterhöfe. Viele Hof- und Seitenfassaden stehen direkt auf der Grenze. Wer sie saniert, kommt am Nachbargrund kaum vorbei.
Im Baselbiet zeigt sich dasselbe bei Reihen-Einfamilienhäusern, etwa in Reinach, Oberwil oder Allschwil. Am Hang in Riehen oder am Bruderholz kommt etwas hinzu. Dort ist der tiefer liegende Garten des Nachbarn oft der einzige ebene Standplatz.
Was das Bundesrecht sagt
Grundlage ist Art. 695 des Zivilgesetzbuchs. Er überlässt es den Kantonen, das Betreten des Nachbargrundstücks für Bauten und Ausbesserungen zu regeln.
Das Bundesgericht hat 1978 präzisiert, was darunter fällt (BGE 104 II 166). Erlaubt ist nicht nur das Betreten. Auch das vorübergehende Lagern von Baumaterial und das Aufstellen eines Baugerüsts sind gedeckt. Voraussetzung: Es geht um einen verhältnismässig schmalen Landstreifen.
Daraus folgen zwei Grenzen, die überall gelten. Die Benutzung ist befristet. Und sie darf das Nachbargrundstück nicht erheblich verändern. Das Baselbiet und Solothurn verlangen zusätzlich, dass es ohne den Nachbargrund nicht geht.
Basel-Stadt, Baselbiet, Dornach: die Regeln im Vergleich
Das Servicegebiet reicht über drei Kantone. Jeder regelt das Hammerschlagsrecht in einem anderen Gesetz.
| Kanton | Grundlage | Wann erlaubt | Vorher |
|---|---|---|---|
| Basel-Stadt Basel, Riehen, Bettingen | § 50 Bau- und Planungsgesetz Bis 2,5 m ab der Grenze | Baute steht an oder auf der Grundstücksgrenze | Ohne Zustimmung erst, wenn der Schadenersatz sichergestellt ist Schaden: Wird ersetzt |
| Basel-Landschaft Allschwil bis Sissach | § 129 EG ZGB Keine feste Meterzahl | Für Bauten längs der Grenze unumgänglich | Rechtzeitig und gehörig anzeigen Schaden: Wird ersetzt |
| Solothurn Dornach, Bezirk Dorneck | § 259 EG ZGB Keine feste Meterzahl | Für Errichtung oder Unterhalt unbedingt nötig | Vorzeitig benachrichtigen Schaden: Haftung für allen Schaden |
Basel-Stadt ist am genauesten. Das Gesetz nennt eine feste Reichweite von 2,5 m. Für ein Fassadengerüst reicht das fast immer. Ohne Einverständnis des Nachbarn verlangt es aber zuerst eine Sicherheit für allfällige Schäden.
Was nicht unter das Hammerschlagsrecht fällt
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Verankerung in der Nachbarfassade: Ein Gerüst wird alle paar Meter in der Fassade verankert. Löcher im Nachbarhaus gehen über das Betreten hinaus. Klären Sie das immer schriftlich ab.
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Dauerhafte Einrichtungen: Erdanker, Fundamente oder eine bleibende Leitung sind keine vorübergehende Benutzung. Dafür braucht es eine Vereinbarung oder eine Dienstbarkeit.
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Trottoir und Strasse: Öffentlicher Boden gehört nicht dem Nachbarn. Dafür gilt die Bewilligungspflicht. Details im Ratgeber zur Gerüst-Bewilligung in Basel.
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Bequemlichkeit: Geht es auch auf der eigenen Parzelle, nur etwas teurer, muss der Nachbar im Baselbiet nicht mitmachen. Das Gesetz verlangt dort, dass die Benutzung «unumgänglich» ist. Solothurn schreibt «unbedingt».
So klären Sie es mit dem Nachbarn
Das Gesetz verlangt eine Ankündigung, aber keine bestimmte Form. In der Praxis bewährt sich ein kurzes Gespräch, gefolgt von einer schriftlichen Bestätigung. Rechnen Sie mit 2 bis 4 Wochen Vorlauf vor der Montage. Eine gute Vereinbarung hält sechs Punkte fest:
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Fläche und Breite, die das Gerüst beansprucht – am besten auf einer Planskizze
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Zeitraum von der Montage bis zum Abbau, inklusive Reserve für Wetter
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Zugang für Gerüstbauer und Handwerker, etwa über Garten oder Hof
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Zustand vorher: Fotos von Belag, Beeten, Zaun und Fassade
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Schutzmassnahmen wie Bodenplatten, Netze oder Staubschutz
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Ansprechperson und Telefonnummer für Rückfragen während der Bauzeit
Die Fotos vom Zustand vorher sind der wichtigste Punkt. Sie beenden die meisten Diskussionen beim Abbau, bevor sie beginnen.
Wenn der Nachbar ablehnt: Gerüstvarianten auf der eigenen Parzelle
Ein Nein ist nicht das Ende des Projekts. Oft lässt sich das Gerüst so planen, dass es den Nachbargrund kaum oder gar nicht berührt.
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Schmalere Feldbreite: Für Malerarbeiten genügt oft ein Gerüst mit rund 0,7 m Belag. Gegenüber einem breiten Gerüst spart das rund 40 cm.
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Rollgerüst für kurze Arbeiten: Für einen Fensterersatz oder eine Storenmontage steht ein mobiles Gerüst nur Stunden statt Wochen.
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Arbeit vom Dach aus: Bei Dacharbeiten sichert ein Dachgerüst mit Fanglage oft nur die eigene Traufe ab.
Welche Variante passt, zeigt die Besichtigung vor Ort. Die Offerte kommt innert 48 Stunden. Fragen Sie darin nach der Gerüstbreite. Mit dieser Zahl führen Sie das Gespräch mit dem Nachbarn konkret.