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Darf ich mein Gerüst selber aufbauen?

Kurz gesagt: Ein Gerüst selbst aufzustellen ist in der Schweiz nicht pauschal verboten. Die Bauarbeitenverordnung knüpft es aber an eine Bedingung – Aufbau und Freigabe gehören in die Hand einer fachkundigen Person. Ab mehr als 3 Metern Absturzhöhe an der Fassade verlangt die BauAV ohnehin ein Fassadengerüst. In der Praxis bleibt für Eigenregie vor allem das Rollgerüst.

Die Frage ist nicht «wer darf», sondern «wer kann es belegen»

Die Bauarbeitenverordnung nennt keine Berufsbezeichnung. Sie verlangt Fachkunde. Wer ein Gerüst aufstellt und freigibt, muss vier Dinge mitbringen:

  • Kenntnis der Aufbau- und Verwendungsanleitung des konkreten Gerüstsystems

  • Wissen über Verankerung, Lastabtrag und zulässige Lastklasse

  • Fähigkeit, Untergrund und Standsicherheit zu beurteilen

  • Befugnis, das Gerüst zu prüfen und schriftlich freizugeben

Handwerkliches Geschick allein genügt also nicht. Entscheidend ist die nachweisbare Kenntnis von Anleitung und Norm. Genau danach fragt eine SUVA-Kontrolle.

Was Sie selbst dürfen – und was nicht

Sechs Aufgaben, die bei fast jeder Sanierung am Einfamilienhaus anfallen.

Aufgabe Zuständig
Rollgerüst bis 12 m Arbeitshöhe stellen Nach SN EN 1004 und Herstelleranleitung, auf ebenem tragfähigem Untergrund. Eine Einweisung gehört dazu. Am ehesten möglich
Fassadengerüst am Einfamilienhaus stellen Verankerung, Lastabtrag und Freigabe verlangen Fachkenntnis nach BauAV. Nur fachkundig
Arbeiten über 3 m Absturzhöhe an der Fassade Die BauAV (Art. 26) verlangt dafür ein Fassadengerüst samt Freigabe. Nur fachkundig
Dachfanggerüst an der Traufe montieren Ein Schutzgerüst sichert fremde Personen. Fehler treffen direkt Dritte. Nur fachkundig
Belag, Geländer oder Verankerung verändern Jeder Eingriff hebt die Freigabe auf – auch das Entfernen eines einzelnen Belagteils. Nie selbst
Gerüst vor Arbeitsbeginn kontrollieren Sichtkontrolle auf Beläge, Seitenschutz und Verankerung – vor jedem Arbeitstag. Ihre Aufgabe

Warum deutsche Anleitungen hier in die Irre führen

Wer «Gerüst selber aufbauen» sucht, landet fast immer auf deutschen Seiten. Dort gelten die TRBS 2121 und die Regeln der Berufsgenossenschaft BG BAU. Beide haben in der Schweiz keine Geltung.

Hierzulande zählt die Bauarbeitenverordnung, kontrolliert durch die SUVA. Die Unterschiede betreffen genau die Punkte, auf die es ankommt. Dazu zählen die Pflichthöhen, der Aufbau des Seitenschutzes und die verlangte Dokumentation.

Ein Beispiel: Am Dachrand sank die Schwelle mit der Revision vom 1. Januar 2022 von 3 auf mehr als 2 Meter. Wer eine ältere Anleitung befolgt, baut nach überholten Werten. Die geltenden Schweizer Regeln stehen im Ratgeber zu den SUVA-Vorschriften für Gerüste.

Wer trägt die Verantwortung?

Bei beauftragter Montage ist die Rollenverteilung klar. Der Gerüstbauer erstellt das Gerüst und gibt es frei. Der Arbeitgeber der Nutzer kontrolliert vor Arbeitsbeginn. Der Bauherr trägt die Gesamtverantwortung für die Baustelle.

Stellen Sie selbst auf, fallen die ersten beiden Rollen auf Sie zurück. Sie verantworten dann Standsicherheit, Freigabe und laufende Kontrolle – auch gegenüber jedem Handwerker, der das Gerüst später betritt. Ein Maler, der auf Ihrem Gerüst arbeitet, darf eine gültige Freigabe erwarten.

Das ist der eigentliche Grund, warum Eigenmontage selten aufgeht. Nicht der Aufbau ist das Problem, sondern die Freigabe und alles, was danach kommt.

Rechnet sich Eigenmontage überhaupt?

Bei einem Fassadengerüst selten. Ein Einfamilienhaus mit rund 190 m² Gerüstfläche kostet in der Region Basel CHF 1'800–3'200. Darin stecken Anlieferung, Montage, vier Wochen Standzeit und Abbau. Die Montage ist nur ein Teil davon. Den Rechenweg zeigt der Ratgeber zu den Gerüstkosten am Einfamilienhaus.

Beim Rollgerüst sieht es anders aus. Für ein Wochenende Storenmontage oder ein paar Fensterläden ist die Miete ab CHF 90 pro Woche oft die vernünftigste Lösung. Mehr dazu unter mobile Gerüste.

Zwischen beiden Fällen liegt die Grenze meist dort, wo Verankerung ins Spiel kommt. Sobald ein Gerüst in der Fassade befestigt werden muss, gehört es in fachkundige Hände.

Drei Situationen in der Region Basel

  • Gerüst auf dem Trottoir: Am Spalenberg oder am Petersgraben kommt zur Technik die Bewilligung dazu. Details im Ratgeber zur Gerüst-Bewilligung.

  • Hanggarten: Am Bruderholz, in Riehen oder in Bubendorf steht kaum ein Rollgerüst von selbst eben. Spindeln und Ausgleichsrahmen gehören zur Grundausstattung.

  • Dach offen, Wetter wechselt: Sobald Dachfanglage oder Wetterschutzdach dazukommen, ist die Statik keine Heimwerkerfrage mehr.

Häufige Fragen zum Selbstaufbau

Ab welcher Höhe ist ein Gerüst vorgeschrieben?

An der Fassade verlangt die Bauarbeitenverordnung (BauAV, Art. 26) ein Fassadengerüst, sobald die Absturzhöhe 3 m übersteigt. Am Dachrand gilt seit der Revision vom 1. Januar 2022 eine Sicherung ab mehr als 2 m. Seitenschutz auf einer Arbeitsebene ist ab 2 m Pflicht.

Wer gilt als fachkundige Person?

Fachkundig ist, wer das konkrete Gerüstsystem kennt, Verankerung und Lastabtrag beurteilen kann und die Freigabe verantwortet. Ein handwerklich geschickter Bauherr erfüllt das in der Regel nicht. Entscheidend ist nicht Geschick, sondern nachweisbare Kenntnis der Aufbauanleitung und der Norm.

Wie lange dauert es, ein Rollgerüst aufzubauen?

Ein Rollgerüst bis 12 m Arbeitshöhe steht zu zweit in 20 bis 45 Minuten. Entscheidend ist der Untergrund: Er muss eben und tragfähig sein. Auf Kopfsteinpflaster am Spalenberg oder im Hanggarten am Bruderholz dauert das Ausrichten deutlich länger.

Kann ich bei Gerüstbau Basel nur das Material mieten?

Gerüstmaterial ist ab Partnerlager Oensingen mietbar und wird in die Region Basel geliefert. Den Aufbau muss aber eine fachkundige Person nach SUVA-Richtlinie ausführen und freigeben. Ohne diesen Nachweis raten wir davon ab, weil die Verantwortung dann bei Ihnen liegt.

Muss ein selbst aufgestelltes Gerüst geprüft werden?

Ja. Jedes Gerüst braucht vor der ersten Nutzung eine Freigabe und danach regelmässige Kontrollen. Nach Sturm, nach langer Standzeit und nach jeder Veränderung ist eine erneute Prüfung fällig. Bei einer SUVA-Kontrolle muss die Dokumentation griffbereit sein.

Lieber montieren lassen?

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